Gleichstellungspolitik

      Schluss mit der Symbolpolitik in der Frauenförderung!

      03.09.08

      Juso-Hochschulgruppen erinnern Bund und Länder an Verfassungsauftrag

      Am Mittwoch hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die ersten Ergebnisse des Ende 2007 beschlossenen Professorinnenprogramms bekannt gegeben. Damit sollen nach einer positiven Begutachtung der jeweiligen hochschulintern erstellten Gleichstellungskonzepte freie Professuren gezielt mit Frauen besetzt werden. Die ausgewählten 79 Hochschulen können nun eine Förderung von maximal drei Professorinnenstellen erhalten.

      Katharina Flechsig und Cendresa Sadiku, beide Mitglied im Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen, beurteilen dieses Konzept differenziert. Cendresa Sadiku stellt positiv heraus: „Der Bund hat erkannt, dass in der Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft massiver Handlungsbedarf besteht. 39% aller Frauen mit Hochschulabschluss erlangen den Doktorgrad, jedoch nur 16% schaffen es bis zur Professur. Dies zeigt deutlich, dass auf dem Weg der akademischen Karriere noch viele Barrieren abgebaut werden müssen.“ Ergänzend erklärt Katharina Flechsig: „Zur Behebung dieses Missstandes reichen jedoch punktuelle Förderprogramme, die eher den Charakter von Alibimaßnahmen statt ernst gemeinter Lösungsversuche haben, nicht aus. Die geplante Schaffung von bis zu 140 Professorinnenstellen ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.“

      Daher fordern Sadiku und Flechsig abschließend: „Frauenförderung muss im Studium ansetzen und auf allen Ebenen der wissenschaftlichen Laufbahn konsequent weitergeführt werden. Sie muss elementarer und dauerhafter Bestandteil der Hochschulpolitik sein und darf nicht nur als kurzlebiges Vorzeigeprojekt dienen. Dies ist keine Angelegenheit, die im Belieben der einzelnen, mehr und mehr autonomen Hochschulen stehen darf, sondern der Bund und die Länder sind nicht zuletzt aufgrund ihres Verfassungsauftrags in der Pflicht, steuernd einzugreifen. Erst dann wird die Behinderung von Frauen im akademischen Leben ein Ende haben. Dazu ist beispielsweise die Einführung einer Quote ein längst überfälliges Mittel, das in der Gleichstellung Tatsachen schafft.“